Mies A Daydream

Ein Kurzfilm von Melanie Giel

Hintergrund

IMG_8656swVor über 80 Jahren entwarf der Architekt Ludwig Mies van der Rohe im Rahmen eines Wettbewerbes ein Clubhaus für den neu gegründeten Golfclub in Krefeld. Es wurde auf Grund der Weltwirtschaftskrise nie gebaut. Dann, 2013, die überraschende Wende; der Entwurf wird auf Initiative von Kuratorin Christiane Lange, der Ur-Enkelin Hermann Langes (einer der ursprünglichen Auftraggeber) und Vorsitzenden des Mies van der Rohe e.V. doch noch realisiert!

Unter der künstlerischen Leitung des belgischen Architekturbüros Robbrecht en Daem, wird das Clubhaus auf dem Krefelder Egelsberg, in einem idyllisch gelegenen Naturschutzgebiet, als begehbares Architekturmodell im Maßstab 1:1verwirklicht.

Der 1930 gegründete Golfclub in Krefeld, hatte zwar auf dem Egelsberg am nördlichen Rand der Stadt ein Gelände für einen Golfplatz gefunden. Es fehlte dort aber ein Clubhaus. Für den Entwurf eines solchen Clubhauses veranstaltete der Verein im Sommer 1930 einen Wettbewerb, zu dem der Berliner Architekt Mies van der Rohe, damals Direktor des Bauhauses und Vizepräsident des Deutschen Werkbundes, und der Krefelder Architekt August Biebricher eingeladen wurden. Es scheint, dass die beiden Hauptinitiatoren des Clubs, Hermann Lange und Rudolf Oetker, jeweils ihre Lieblingsarchitekten um Entwürfe gebeten hatten: Hermann Lange hatte mit Mies bereits ein Wohnhaus vollendet, Oetker im selben Jahre eines von August Biebricher. Mies entwarf ein großzügiges, eingeschossiges Clubhaus, das wie ein Stern auf der Kuppe des Egelsberges liegen sollte.

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Große Panoramafenster hätten eine wunderbare Aussicht von der leichten Anhöhe in die Kulturlandschaft ermöglicht. Mies arbeitete die Planung bis zum Maßstab 1:200 aus. Außerdem fertigte er Perspektiven an. Pläne und Perspektiven sind vollständig im Mies-van-der-Rohe-Archiv im Museum of Modern Art, New York, erhalten. Wegen der Weltwirtschaftskrise gelang es den Golfclub- Gründern schließlich nicht, die veranschlagte Bausumme von 150.000 Reichsmark aufzubringen. Mies erhielt sein Honorar von 500 Reichsmark, aber der Bau wurde nicht verwirklicht. Die Pläne zeigen, dass der Golfclub eines der spektakulärsten Werke Mies van der Rohes geworden wäre. Das Haus wäre heute nicht nur eines der hervorragenden Beispiele der „Weißen Moderne“, sondern auch ein Beispiel für die reife, souveräne Formensprache Mies van der Rohes. Nach dem Barcelona-Pavillon und Haus Tugendhat in Brünn hatte er sein architektonisches Vokabular vollständig entwickelt.

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